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Wie ein Dorfklub die Münchner ärgerte


(tet) Man kennt es aus Science-Fiction-Filmen. Jemand reist mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit, schlägt dort eine lästige Fliege tot – und bei der Rückkehr in die Zukunft ist die Frau plötzlich eine ganz andere und die USA ein Entwicklungsland. Ähnlich hätte es auch dem FC Bayern München ergehen können, wenn Uli Hoeneß am Abend des 3. Oktober 1973 im schwedischen Åtvidaberg eine Viertelstunde vor dem Ende nicht getroffen hätte. Es war das vielleicht wichtigste Tor in der Historie des Rekordmeisters, der Anfang eines Triumphmarschs durch Europa, der die Bayern zu dem machte, was sie heute sind. Eine Zeitreise.

Die Wiege der Bayern-Dynastie liegt im schwedischen Åtvidaberg

Die Stimmung in München war hervorragend. Mit Sepp Maier, Paul Breitner, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Gerd Müller und Uli Hoeneß standen gleich sechs Europameister von 1972 im Kader. Die deutsche Meisterschaft 1973 hatten sie im Vorbeigehen gewonnen. Und jetzt wollten sie auch im Cup der Landesmeister zeigen, dass sie die beste Klub-Mannschaft des Kontinents sind. Da kam der erste Gegner, der schwedische Meister Åtvidabergs FF, gerade recht. „Eine so unbekannte Mannschaft ist als Aufbaugegner gar nicht schlecht“, trompetete Torjäger Müller nach der Erstrundenauslosung. Doch der „Bomber“ war schlecht informiert, denn der Dorfverein aus dem 10.000-Einwohner-Städtchen hatte zwei Jahre zuvor für Furore gesorgt, als er den Titelverteidiger Chelsea FC (!) aus dem Cup der Pokalsieger geworfen hatte. Zwei Stürmer aus dieser Zeit waren ÅFF seitdem abhanden gekommen: Roland Sandberg wechselte zum 1.FC Kaiserslautern, Ralf Edström schloss sich dem PSV Eindhoven an. Und dennoch steckte in dieser Truppe noch immer viel Potenzial, wie Bayern-Trainer Udo Lattek vor dem ersten Aufeinandertreffen in München betonte.

„Wir werden offensiv spielen“, kündigte Åtvidabergs ungarischer Trainer Ottó Dombos an, und hielt sein Versprechen. Sein Team unterlag zwar erwartungsgemäß mit 1:3, doch von den spärlich besetzten Rängen des Olympiastadions hagelte es Sympathiebekundungen für die Schweden, was Publikumsliebling Sepp Maier zu provozierenden Handbewegungen hinriss. „Das gibt es in keinem Stadion der Welt“, ereiferte sich später auch Lattek. Vor dem Rückspiel begannen die Aufregungen schon beim Abflug, weil sich Bayern-Boss Wilhelm Neudecker weigerte, in den von ihm als „Heuhupfer“ bezeichneten zwei­motorigen Flieger zu steigen. Neudecker ließ umdisponieren – und die Münchner verspäteten sich. Als sie schließlich im zwischen einer Kirche und einer Schule gelegenen Stadion Kopparvallen einliefen, erwartete sie eine hitzige Atmosphäre. Ganz Åtvidaberg, rund 150 Kilometer südwestlich von Stockholm gelegen, war auf den Beinen, um den 250Mitglieder zählenden Klub zu unterstützen. An der Seite des zu kurzen und zu schmalen Spielfeldes stand eine kleine Holztribüne, an den Außenlinien waren Bänke aufgestellt worden. Und in dieser ländlichen Idylle wurde ein Fußball-Krimi erster Güte inszeniert. ÅFF startete furios. Der Star der Schweden, Conny Torstensson, hatte das Leder schon nach sieben Minuten unter die Latte gehämmert, Veine Wallinder nach einer Viertelstunde auf 2:0 erhöht. Die Bayern standen unter Schock, zudem musste Breitner verletzt vom Platz. Er hatte sich das rechte Wadenbein gebrochen. Angeblich, weil er von einem Stein getroffen wurde, den ein fanatischer Fan aufs Feld geworfen hatte... In der Pause versuchte Neudecker zu retten, was zu retten war, und erhöhte die Siegprämie von 3000 auf 5000 Mark pro Kopf. Es half nichts. Torstensson erzielte vor 9200 ausrastenden Zuschauern das 3:0 (72‘). Dann traf Hoeneß wie aus dem Nichts zum 3:1 (75‘), doch ehe es in die Verlängerung ging, musste Beckenbauer zwei Mal für den geschlagenen Maier retten. Die Bayern zitterten sich ins Elfmeterschießen, behielten mit 4:3 die Oberhand und zogen ins Achtelfinale ein. „So viel Unglück kommt wohl nie mehr zusammen“, haderte Dombos, während seine Halb-Profis, die an diesem Tag ausnahmsweise nicht gearbeitet hatten, der entgangenen Prämie von 800 Mark nachtrauerten. Die Bayern begründeten in der Folge ihre Dynastie: Nach Siegen über Dynamo Dresden, CSKA Sofia, Újpesti Dozsa und im Finale gegen Atlético Madrid gewannen sie schließlich zum ersten Mal den Landesmeister-Wettbewerb und verteidigten den Titel zwei Mal. Immer mit dabei: Conny Torstensson, den die Bayern sozusagen gleich mitnahmen und der bis 1977 in München kickte.

Und Åtvidaberg? Das verschwand bald in der Versenkung der Zweiten Liga, wo es auch heute noch herumdümpelt. Als Pokalfinalist 2005 qualifizierte sich der Klub, der 1982 letztmals erstklassig war, nun nach über 30-jähriger Abstinenz auf der internationalen Bühne für den UEFA-Cup, darf aber sein Heimspiel gegen den Grasshopper-Club nicht im Kopparvallen austragen, sondern muss nach Norrköping ausweichen. „Das waren halt andere Zeiten damals, da waren die UEFA-Richtlinien noch nicht so streng“, sagt Jörgen Ekholm von der ÅFF-Geschäftsstelle. Die heutigen Bayern-Spieler im Europapokal auf einem solchen Dorfplatz auflaufen und beinahe verlieren zu sehen, erscheint unvorstellbar. Nein, sie spielen in der Champions League in Mailand, Moskau und Lissabon und wissen wahrscheinlich gar nicht, wo Åtvidaberg überhaupt liegt. Ihr Manager, Uli Hoeneß, weiß es sehr wohl.

1. Bild (© Jörgen Ekholm) > Die Holztribüne in Åtvidaberg steht noch immer.
2. Bild (© Per Folkesson) > Zwischen Kirche (oben) und Schule gelegen: der Kopparvallen in Åtvidaberg.

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