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Das kleine Käerjéng schreibt Europapokal-Geschichte – schon wieder


gede. Die im Südwesten Luxemburgs gelegene Ortschaft Oberkerschen hat es tatsächlich in die Geschichtsbücher des Fußballs geschafft. Dabei traute man sich bis zum 31. Juli dieses Jahres nicht so recht, einen der 1463 Einwohner auf die einstige Europacupteilnahme des ortsansässigen FC Jeunesse Hautcharage anzusprechen. Es war im Jahre 1971, als sich der Zweitligist als überraschender Cupgewinner im Pokal der Pokalsieger versuchen durfte und ausgerechnet auf Titelverteidiger Chelsea FC traf. Die zwei nicht unerwarteten Niederlagen fielen für Jeunesse Uewerkäerjéng, so der lëtzebuergesche Name für Hautcharage (F) bzw. Oberkerschen (D), mit 0:8 und 0:13 derartig deftig aus, dass daraus ein im Europacup noch nicht da gewesenes Gesamtergebnis von 0:21 resultierte. Ein Rekord für die Ewigkeit etwa? Nun, die Landsleute von US Rümelingen jedenfalls zeigten sich im UEFA-Cup schon ein Jahr später gehörig inspiriert und stellten diesen gegen Feyenoord Rotterdam mit einem 0:9 und 0:12 kurzerhand ein. Noch herberen Doppelklatschen sahen sich Europas Fußballzwerge bisher nicht ausgesetzt.
Donnerstag, 16. August 2007. Die kleine Gemeinde Niederkerschen, zu welcher die Ortschaft Oberkerschen gehört, rückt wieder in den Mittelpunkt des internationalen Fußballinteresses. Am schnuckeligen Vereinsstadion, dem Terrain um Bëchel, ist es ruhig. Im verschlossenen Klublokal scheint ein Fernseher zu laufen, aber niemand ist da, um dem Gerät seine Aufmerksamkeit zu schenken. Gepflegter Rasen findet sich nicht nur auf dem Hauptfeld, sondern auch auf dem Trainingsplatz neben dem Stadion. Dieser ist jedoch so schmal, dass Angriffe über die Flügel gänzlich untrainierbar sind. Neben dem Spielfeld stehen drei große Busse. Abfahrbereit, um Spieler und Zuschauer in die Hauptstadt zu bringen, wo ein Spiel der UEFA-Pokal-Qualifikationsrunde stattfinden wird – der zweiten Qualifikationsrunde! Was war da passiert? 16 Tage zuvor, an besagtem 31. Juli, hatten 90 denkwürdige Minuten gegen den fünffachen norwegischen Meister Lillestrøm SK gereicht, um die Geschichte des Kerschener Fußballs komplett neu zu schreiben. Gezählte 629 Zuschauer im Nationalstadion Josy Barthel trauten ihren Augen nicht, als Rachid Boulahfari seinen Verein UN Käerjéng ’97 – 1997 aus der Fusion des US Bascharage und eben Jeunesse Hautcharage hervorgegangen – eine Runde weiter schoss. Wieder hatte der luxemburgische Pokalwettbewerb die Teilnahme ermöglicht (1:2 im Finale gegen Meister F91 Dudelange) und das 1:0 reichte, um die im Lillestrømer Åråsen stadion erlittene 1:2-Niederlage wett zu machen.
UN – das steht nicht etwa für „Union“, sondern für „Uewer Nidder“, womit gleichsam Ober- wie Niederkerschen würdig im Vereinsnamen Erwähnung finden. Eher drunter und drüber muss es vor Freude zugegangen sein, als das Los den Gegner für die zweite Qualifikationsrunde offenbarte: Standard Lüttich. Der belgische Renommierklub ist als Lieblingsverein der Wallonen wie geschaffen für ein gemeinsames Fußballfest und spült rund 5500 Anhänger in die Hauptstadt Luxemburgs. Viele von ihnen leben oder arbeiten schon im Großherzogtum. In Bascharage hingegen machen einige Fußballanhänger den Ausflug nicht mit und versammeln sich lieber in ihrer Stammkneipe Chez Mami, wo sie zwar nichts zu essen kriegen, aber schon früh der Fernseher läuft und das Spiel bei einem kühlen Bofferding von der nur einen Steinwurf entfernt gelegenen Brauerei Brasserie Nationale genossen wird.
Luxemburg-Stadt, knapp 30 Auto-Minuten entfernt, ist derweil fest in rot-weißer Hand. Zahlreiche Wallonen haben die Grenze überquert. Der Sieg gegen den Fußballzwerg steht für sie sowieso schon fest, aber in Norwegen hatte man sicher Ähnliches gedacht. Damit sich die belgischen Fußballfreunde nicht verlaufen, wurden eigens Verkehrsschilder mit dem Aufdruck „Supporters Royal Standard Liège“ angefertigt und vor dem Stadion angebracht. Innerhalb des Anwesens hat der Pressebeauftragte alle Hände voll zu tun. Herr Müller zählt 95 Medienvertreter und weiß von den Zuschauereinnahmen zu berichten, dass sie für UN ’97 so hoch sein werden wie sonst in zwei Spielzeiten zusammengenommen. Doch die außergewöhnliche Bedeutung des Spiels ist den elf unerschrockenen Studenten und Feierabendkickern aus Käerjéng (Kerschen) nicht anzumerken. Hatten sie am Wochenende noch eine 1:5-Heimklatsche gegen Swift Hesperingen bezogen, spielen sie in den ersten Minuten frech mit und erzielen sogar gleich einen Eckball. Da haben die Zuschauer passenderweise noch die Vereinshymne im Ohr, die sich vor der Partie als eine im moselfränkischen Dialekt dargebotene Neufassung von Queens „We will rock you“ (im Refrain erklingt „Uu-Enn-Uu-Enn-Käer-jéng-Käer-jéng“) entpuppt.
Nach einigen Spielminuten stellt sich endlich das erwartete Bild ein. Den etwas überheblich wirkenden Lüttichern verspringen zwar noch erstaunlich häufig die Bälle, aber die Feldüberlegenheit ist nicht mehr zu übersehen. Zwei Lattentreffer retten dem luxemburgischen Nationaldivisionär – mit einem Weiterkommen bei nur einem Ausscheiden seines Vorgängerklubs mittlerweile der bilanziell erfolgreichste Europapokalteilnehmer seines Landes – das 0:0 in die Pause.
Schon im Hinblick auf diesen Teilerfolg hat sich für den überschaubaren Käerjénger Anhang auf der Haupttribüne das fieberhafte Zittern und begeisterte Applaudieren bei jeder gelungenen Abwehraktion gelohnt. Die feurigen Standard-Supporters machen derweil einen Hexenkessel aus dem beschaulichen Nationalstadion. Auch als der starke Sergio Silva Costa – der Aufstellung nach zu urteilen gewiss nicht der einzige Kerschener mit portugiesischen Wurzeln – im Tor des Gastgebers weitere 13 Minuten ungeschlagen bleibt, beginnen sie nicht zu murren oder gar zu pfeifen. Dann aber staubt Dieudonné Mbokani einen weiteren Aluminiumtreffer zum 0:1 (59‘) ab und jedem der 7112 Beobachter wird endgültig klar, dass es eine neuerliche Fußballsensation heute nicht geben wird.
Standard Lüttich bleibt an diesem Abend eine Peinlichkeit erspart und legt gegen die nun kräftemäßig nachlassenden Luxemburger durch Axel Witsel (81‘ und 86‘) noch zwei späte Treffer nach. Natürlich wird der Underdog nach dem Spiel dennoch gefeiert und sein herausragender Torhüter zusammen mit Trainer Angelo Fiorucci (kleines Bild) zur Pressekonferenz gebeten, wo sie wie selbstverständlich neben Standard-Coach und Torwartlegende Michel Preud‘homme Platz nehmen. Auf dieser versteht man sein eigenes Wort kaum, denn draußen auf den Straßen hauen die belgischen Fans noch immer sprichwörtlich auf die Pauke. Derweil feiern die Kerschener in einem kleinen VIP-Zelt den größten Auftritt ihres UN Käerjéng ’97 in der noch jungen Vereinsgeschichte. Gerade einmal zwei Jahre ist er jetzt erstklassig, aber von solch einer Europapokalkampagne können andere Vereine nur träumen. Wen kümmert es in diesem Augenblick schon, dass die Ligatabelle noch keinen Punktgewinn ausweist? Um mehr als 1000 Prozent ist die Zuschauerzahl gestiegen, aber wie der norwegische Tabellenzweite hier sensationell aus dem Rennen geworfen werden konnte, bleibt jedem ein geheimnisvolles Rätsel, der nicht zu den Augenzeugen vom 31. Juli gehört.
Herr Müller steht im VIP-Zelt und genehmigt sich ein Bofferding. Er werde jetzt nach Niedercorn fahren, auch so ein Erstliga-Örtchen mit Europapokal-Vergangenheit, wo seine Stammkneipe – wie er versichert – noch geöffnet habe. Zuvor erzählt er aber noch wie das war, damals, im September 1971, an gleicher Stelle gegen Chelsea: „24.000 Zuschauer waren im Stadion und der Präsident von Chelsea hatte vorher zwei Boxen für sich und die Offiziellen beantragt.“ Während er das sagt, tippt sich Müller mit dem Zeigefinger auf die Stirn. „Ich habe ihm zwei Stühle hingestellt.“



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